Ja, es ist soweit. Die Bestätigung ist da. Am Sonntag haben wir uns durchgerungen, einen Test zu machen. Wir trauen uns das immer nicht so richtig, weil es damit so endgültig wird, als hätte man den Point of no return überschritten...auch wenn man das natürlich vorher schon hat, aber mit dem Test in der Hand ist es, als hätte einem das nochmal jemand unter die Nase gerieben. Man erreicht damit die nächste Stufe. Weg von dem "In der Schwebe"-Status, bei dem es immer noch sein kann, dass die Mens doch einsetzt, hin zu dem eindeutigen "Ja, positiv.". Mit diesem "Ja" kommen noch einmal weitere neue Gedanken. Die Angst, die Sorge, die Verzweiflung, die prüfenden Tests am eigenen Körper (Spannen die Brüste noch?) werden stärker. Jeder Tag wird gezählt und abgekreuzt. Werden wir die ersten drei Monate dieses Mal überstanden?
Ich fühle mich dieses Mal irgendwie immer noch etwas entspannter als die letzten Male. Keine Ahnung woran das liegt. Habe ich mehr Vertrauen in mich selbst? Liegt es daran, dass in den letzten Monaten soviele Untersuchungen gemacht wurden, die alle gezeigt haben, dass bei mir alles ok ist? Macht meine 4-Tage-Arbeitswoche mich auch etwas relaxter? Hilft das alles überhaupt oder werde ich wieder eine Enttäuschung erleben?
Am Montag war ich bei meiner KiWu-Ärztin. Die Ergebnisse meiner Hormonuntersuchungen sind super, ich habe etwas an der Schilddrüse, aber das ist nicht ausschlaggebend für die Fehlgeburten. Meine Ärztin war erst etwas abgekühlt, aber als sie anhand meiner komischen Fragen dann gemerkt hat, dass ich unsicher bin und nicht so richtig weiß, wie ich jetzt mit mir umgehen soll, hat sie mir ganz viel Mut gemacht. Ich habe gemeint, dass ich halt versuche mit jeder Schwangerschaft etwas besser zu machen. Mir mehr Ruhe zu geben, mich dem Stress auf Arbeit nicht auszusetzen, kein Fahrrad zu fahren, noch gesunder essen, mehr schlafen, mehr Bewegung. Sie meinte, dass es nichts gibt, was ich besser machen könne. Ich rauche nicht, ich trinke wenig (jetzt eh nicht mehr), ich esse gesund, ich nehme Folsäure. Mehr kann ich nicht tun. Ich soll auf meine Empfindungen hören und das tun, was ich in dem Moment jeweils für richtig halte. Ich soll mich von dem Gedanken verabschieden, dass ich Schuld an den Fehlgeburten gehabt oder irgendetwas falsch gemacht hätte. Wenn das Würmchen sitzt, dann sitzt es. Wenn nicht, dann kann nichts, was ich im normalen Alltag tue, etwas daran ändern oder noch schlimmer, der Auslöser für eine Fehlgeburt sein. Auch wenn ich natürlich weiß, dass ich nicht schuld bin, so nagen diese Ereignisse natürlich trotzdem an mir. Ich bin ein grüblerischer Typ, ich komme auf die dümmsten Ideen, male mir die schlimmsten Dinge aus, mache mir Vorwürfe und sowas setzt sich dann in meinem Hirn fest. Solche Gedanken sind wie Viren und es kostet Energie, den Tipp-Ex anzusetzen. Ich bin sehr froh, dass meine Ärztin so auf mich eingegangen ist und genau das Richtige gesagt hat. Das hat mich nochmal motiviert. Und wenn alles gut geht, dann muss ich sie nie wieder sehen.
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