Freitag, 18. Januar 2013

Mein erster Blogeintrag.

Schon irgendwie feierlich, auch wenn ich es eigentlich lieber hätte, ich hätte nicht auf die Idee kommen müssen, ein Blog anzulegen.
Eigentlich bin ich nicht der Typ, der sein Leben ausbreitet und ein öffentliches Tagebuch führt. Aber die Erlebnisse im vergangenen Jahr haben über die Zeit diesen Gedanken reifen lassen und heute ist es endlich soweit.
Denn dies soll ein Blog werden zum Thema Fehlgeburt. Ich will keine Seite anlegen über meine Sterne, denn die trage ich in meinem Herzen. Es soll hier um meine Erlebnisse gehen, um die Emotionen, die Angst, die Hoffnung, die Trauer, die Sehnsucht, den Neid und die volle Packung Gefühlschaos, die ich im Zusammenhang mit dem Kinderwunsch, den Schwangerschaften, den 3 Fehlgeburten, den Abschieden und den Neustarts zurück in den Alltag erlebt habe und erlebe.
Über diesen Prozess liest man im Netz bereits sehr viel, aber sehr verstreut, vor allem in Foren. Man liest von anderen Schicksalen und so sehr man den Schmerz anderer Sternenmamis nachempfinden kann, so erleichtert ist man doch, dass man nicht allein ist.
Aber was mich immer dabei stört, ist, dass ich in den Foren in der Regel nur Bruchstücke erfahre. Je nachdem, was die User dann schreiben, denke ich, ja, so fühle ich mich auch gerade, genau so ist es... und will weiterlesen, mehr erfahren. Aber dann sehe ich, dass der Eintrag bereits von 2004 ist und der Thread eigentlich schon geschlossen oder sonstewas.
Neben den Foren gibt es die ganzen Schwangerschafts- und Mamiseiten, in denen Fehlgeburten nur ein kleiner Unterbereich ist. Und ganz ehrlich, wenn man Fehlgeburten hatte, dann sind solche Seiten erstmal tabu, denn wer will kurz nach einer Ausschabung schon eine glückliche Mama sehen oder einen dicken, gesunden Babybauch. Ich habe auch noch einige Seiten gefunden, die sich nur dem Thema "Sternenkinder", "Sterneneltern" und dem medizinischen Bereich zu Fehlgeburten widmen. Gut, dass es die gibt, denn dort sind alle wichtigen Infos gebündelt enthalten. Und dann gibt es noch konkrete Seiten von Menschen, die ihre Schicksale beschreiben und ihren Sternenkindern liebevolle Gedichte und neben dem Platz in ihren Herzen auch einen besonderen Platz in der öffentlichen Welt widmen. Das ist eine Art mit dem Erlebten umzugehen.
Ich möchte das Blog wirklich als Tagebuch verwenden. Jeder Tag ist anders. Der eine ist gut und pflanzt Hoffnung auf ein gutes Ende in die eigene Brust. Der andere ist grau mit ganz viel Selbstmitleid und einer ordentlichen Prise Verzweiflung bestreut. An einem Tag schafft der Besuch bei der Genetikerin Erleichterung und Trost, an einem anderen kommt der Brief mit den Testergebnissen zur Gerinnungsstörung, der wieder keinen Grund für die Fehlgeburten liefert. Und diese Tage hat man ja nicht nur ein, zwei Wochen nach der Fehlgeburt, nein, die hat man auch noch Monate oder Jahre später. Man entwickelt sich mit jedem Tag, mit jedem Gedanken, mit jeder Grübelei, mit jedem Blick auf den Kinderspielplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Man vergisst nicht, man verarbeitet, man reflektiert, man erinnert, man weint. Jede Sternenmama wird sich anders entwickeln und anders damit umgehen. Aber ich bin mir sicher, dass viele Vieles in meinen Beschreibungen wiedererkennen werden und vielleicht hilft ihnen das dann beim nächsten Gedanken, beim nächsten Schritt über die Straße, beim nächsten Aufstehen am Morgen.
Mir hat es immer geholfen, meine Gedanken zu ordnen und das konnte ich schon immer am besten, indem ich sie aufschrieb. Denn damit vergesse ich nicht, ich verarbeite, ich reflektiere, ich erinnere, ich weine und ich lebe damit.

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