So, da bin ich mal wieder. Jetzt steht die Geburt unseres zweiten Mäuschens fast bevor und ich schaffe es endlich den Geburtsbericht der Monat zu finalisieren. Er war fast fertig, gerade habe ich ihn nochmal voller Andacht gelesen. So kann er online gehen.
Mein Ziel ist es, nun doch noch einen Geburtsbericht zu schreiben. In unregelmäßigen Abständen kommen mir die Stunden kurz vor, während und nach der Geburt in den Sinn. Ich verarbeite. Nun ist der große Tag schon etwas mehr als 8 Monate her und immer noch denke ich häufig daran zurück. Mein Körper erinnert mich zum Beispiel auch daran, denn er hat sich verändert und ich bin stolz auf ihn und mich, dass wir eine Schwangerschaft und eine Spontangeburt geschafft haben. Eine unsagbar tolle und zauberhafte Motte, die mittlerweile 8 Monate alt ist, ist dadurch in mein Leben und das meines Freundes getreten. Etwas länger als 4 Monate habe ich sie ausschließlich gestillt und immer noch bekommt sich nachts und morgens Muttermilch - und sie wächst und gedeiht prächtig. Ich könnte also nicht stolzer sein - vor allem nach all der Zeit, in der ich unter anderem daran gezweifelt habe, ob mein Körper überhaupt in der Lage ist, das Mutterwerden und -sein zu bewältigen.
Nun aber zu der Geburt.
Dienstag, der 17.12. war ein schöner Tag. Morgens war ich bei meiner Frauenärztin, die prognostizierte, dass unsere Maus sich wohl noch etwas Zeit lassen würde. Mir schwante, dass wir also wohl doch über Weihnachten wie auf heißen Kohlen unter unserem Tannenbaum sitzen würden. Dabei hatte ich mir doch so sehr gewünscht, dass unsere Motte sich noch vor den Festtagen zu uns gesellt. Aber gut, es kommt wie es kommt. Sie und mein Körper entscheiden nun mal ganz allein.
Nach dem Termin bei der Ärztin war ich mit meiner besten Freundin verabredet. Wir gingen Kaffee trinken und bummeln. Mit meiner dicken grünen Winterjacke sah ich zwar aus wie eine Weihnachtskugel und passte kaum noch in Umkleidekabinen, aber immerhin Schuhe konnte ich anprobieren. Es waren schöne Stunden und wir sind auch echt lange Strecken gelaufen. Ich war gut drauf. Als ich am Nachmittag zu Hause ankam, war ich aber doch ganz schön müde und gönnte mir ein Schläfchen. (Alle Mamas, die ich kannte, rieten mir dazu, mir im Mutterschutz diese Mittagsschläfchen zu gönnen, weil sie danach erstmal passé sein würden.) Ich tat gut daran, denn die Nacht darauf würde sehr kurz werden. Davon ahnte ich noch nichts. Abends machte ich noch mein Heublumendampfbad, hatte meine typischen Vorwehen und ging ins Bett.
Die Nacht war um 2 Uhr zu Ende. Die Wehen waren stärker geworden. An Schlaf war nicht mehr zu denken, aber die Wehen waren noch lang nicht so stark und regelmäßig, dass man vom Start der Geburt hätte ausgehen können. Ich ging also in die Wanne, um zu testen, ob die Wehen dann nachlassen würden. Das taten sie nicht wirklich. Ein erstes Anzeichen, dass es nun wohl losging. Mein Freund und ich beratschlagten uns. Ich sagte, er solle wieder ins Bett gehen und ich würde auf der Couch bleiben und fernsehen. Wenn es schlimmer werden würde, würde ich ihn wecken. Erstmal blieb es aber erträglich und ich entspannt.
Gegen 7 Uhr stand er dann endgültig auf und wir verbrachten den Vormittag gemeinsam auf der Couch, aßen Frühstück, sahen fern und maßen akribisch die Abstände der Wehen. Sie kamen noch recht unregelmäßig, aber lagen nicht länger als 8 Minuten auseinander, meist eher 4-5min und hielten meist 1 min an. Ich konnte noch sprechen während der Wehen, stützte mich aber schon ab. Ich dachte "Ach, wenn das so bleibt mit den Schmerzen, dann wird das ja ein Spaziergang." (Ich Dödel.)
Wir waren unsicher, ob wir jetzt schon ins Krankenhaus fahren sollten oder nicht.
Ich rief sowohl meine Hebamme als auch die Schwester im Kreißsaal an, um ihnen zu schildern, wie es mir ging und zu fragen, ob wir uns jetzt auf den Weg machen sollten. Beide rieten dazu, loszufahren, wenn wir uns unsicher seien. Gegen Mittag machten wir uns also auf den Weg. Inzwischen waren die Wehen auch recht intensiv geworden. Im Kreißsaal angekommen, kam ich erstmal an CTG und Wehenschreiber. Im Liegen waren die Wehen schon sehr schmerzhaft und ich dachte: "Na hoffentlich sind wir nicht umsonst hier. Aber bei den Wehen muss der Muttermund eigentlich schon ein wenig mehr geöffnet sein." CTG und Co. war alles in Ordnung. Die Schwester schaute jetzt nach dem Muttermund. Ernüchterung. 1cm - also noch nix. Ich bekam zwei Ibu-Schmerztabletten in die Hand gedrückt. Wir sollten eine Stunde ums Krankenhaus laufen und dann wiederkommen. Wenn ich möchte, könne ich die Tabletten nehmen. Sie würden den Schmerz etwas mildern und dem Kind nicht schaden. Wir gingen zwei Runden ums Krankenhaus und tranken einen Tee im Klinik-Café. Der Schmerz war mittlerweile stark. Immer wenn eine Wehe kam, mussten wir anhalten. Ich hielt mich an meinem Freund fest und zerdrückte seine Hand. "Das müssen doch jetzt Eröffnungswehen sein, das geht gar nicht anders." dachte ich. Nach einer Stunde wurde der Muttermund wieder untersucht. Es hatte sich nichts getan. Wir wurden wieder nach Hause geschickt. Sollte das wirklich ein Fehlalarm sein?
Auf dem Rückweg - es war mittlerweile ca. 16 Uhr - entschieden wir, dass wir noch Abendbrot brauchten. Die Wehen blieben zwar stark, aber ich dachte, wenn sich da unten nichts tut, dann werde ich es ja wohl aushalten, noch in den Supermarkt zu gehen. Keine Ahnung wie, aber wir schafften es.
Ich aß eine Dose ungesunde Spaghetti zum Abendbrot. Die Wehen wurden immer stärker, die Abstände blieben zwischen 3-6 min. Aber ich wollte nicht schon wieder ins Krankenhaus fahren, weil ich Angst hatte, sie würden uns wieder wegschicken. Wir entschieden ins Bett zu gehen, da war es wahrscheinlich gegen 20 Uhr. Geschlafen haben wir nicht, im Liegen waren die Wehen kaum noch auszuhalten. Also saß ich vor meinem Freund und lehnte an ihm, um zwischen den Wehen wenigstens etwas zu dösen. Bei jeder Wehe stieß ich mich ab und krümmte mich zusammen. Mein Freund hat dann nochmal mit unserer Hebamme telefoniert, um sie um Rat zu fragen. Sie meinte, wir sollten wieder losfahren, wenn wir das Gefühl haben, dass es jetzt soweit sein müsste. Sie hat ihn außerdem daran erinnert, mich beim Tönen und Atmen zu unterstützen. Und das hat er dann bei jeder Wehe, die noch folgte, auch getan. <3
Weil die Abstände zwischen den Wehen (3min) nun immer kürzer wurden, entschieden wir gegen 22Uhr, uns erneut auf den Weg zu machen. Mein Freund musste mich dazu drängen, weil ich immer noch abwarten wollte. Im Auto riss ich vor Schmerz fast die Angstgriffe aus den Verankerungen, mein Freund hatte schon Angst, unsere Motte würde im Auto zur Welt kommen. Aber alles gut, wir kamen heil auf dem Storchenparkplatz an.
Die Schwester untersuchte dankenswerterweise zuerst den Muttermund, bevor ich eine halbe Stunde ans CTG angeschlossen wurde. Und siehe da - 4cm! Es ging also wirklich los. Ich glaube, mein Freund war aufgeregt, ich hingegen hatte einfach zu sehr mit den Schmerzen zu tun.
Wir bezogen dann direkt unseren Kreißsaal und machten uns mit dem Zimmer vertraut. Ich zog das Hemd meines Freundes an, welches ich zur Geburt tragen wollte. Die nächsten Stunden verbrachte ich meist sitzend, auf dem Bett, auf einem Pezziball, auf einem Stuhl. Ich stützte mich während der Wehen immer mit dem Füßen bei meinem Freund ab und hielt seine Hände. Den Schmerz konnte ich mittlerweile nur noch ertragen, indem ich schrie. Ich schrie, was das Zeug hielt. (Vorher hatte ich mir immer überlegt, ob ich mich vor fremden Menschen überhaupt trauen würde, herumzuschreien. Aber die anderen Menschen sind mir in dem Moment einfach so schnurz gewesen.) Relativ schnell hatte ich die 6 und 8 cm Öffnung erreicht. Die Schwester meinte, dass ich sehr schöne, intensive Wehen hätte, die die ganze Sache gut voranbrächten. Na schönen Dank auch, dachte ich. Die Wehen kamen wie unaufhaltsame Wellen über mich. Sie rollten heran, der Schmerzpegel erreichte seinen Höhepunkt und langsam flauten sie wieder ab. Oft hatte ich das Gefühl, eine Wehe würde gar nicht enden wollen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es ein paar Wehen gab, bei denen ich dachte, sie würden mich um den Verstand bringen. Wie soll man auf diesen Schmerz reagieren, wie ihn überhaupt aushalten? Es zerriss mich förmlich von innen.
Ich wechselte auch ständig die Positionen, Vierfüssler, sitzen, knien. Nur liegen ging gar nicht.
Ein, zwei Mal habe ich auch gesagt, dass ich bald nicht mehr kann. Schließlich war ich mittlerweile 24h wach und auch schon etwas schwach. Aber solange man nicht sagt, dass man JETZT nicht mehr kann, geht es einfach immer weiter. Von allein bieten die Schwestern scheinbar keine PDA oder so an. Im Nachhinein weiß ich nicht, ob ich schmerzstillende Mittel abgelehnt hätte. Schließlich will man in dem Moment nur, dass der Schmerz einfach aufhört. Man ist einfach gefangen zwischen den Wehen und sieht kein Ende. Wie es dem Kind geht, ist nebensächlich, ich hatte gar nicht die Kraft darüber nachzudenken.
Endlich war der Muttermund 10 cm offen, es müsste so gegen 4 Uhr gewesen sein. Es war immer noch ein Saum da. Wie auch immer es kam, ich glaube, die Hebamme schlug es vor, ich ging dann in die Wanne. Das war ein wenig entspannend, auch wenn es der Motte dabei nicht so gut ging, wie das CTG zeigte. Also wieder raus.
Die Motte hat dann eine Sonde am Kopf bekommen, weil das CTG immer wegrutschte. Auch die Blase wurde irgendwann gesprengt, das war ein komisches Gefühl. Als würde ein Luftballon in deinem Innern zusammenfallen. Auch irgendwelche homöopathischen Globuli bekam ich noch.
Weil der Saum einfach nicht wegging, durfte ich die ersten Presswehen noch nicht nutzen, sondern musste sie wegatmen. Das ist wirklich schwierig zu bewerkstelligen. Das Pressen ist so ein intensiver Drang, der von innen kommt... und man soll einfach pusten. Pah! Wie soll das gehen?
Ich glaube, irgendwann haben sie den Saum dann per Hand etwas weggekrempelt, damit es weitergehen kann. Die Presswehen sollten also nun losgehen. Ich bekam einen Wehentropf, damit die letzten Wehen und damit auch ich stärker werden. Es war etwa 5:30 Uhr. Ich fragte die Schwester, wie lang es denn jetzt wohl noch dauern würde und sie meinte, wahrscheinlich noch ca. 1,5h. Ich juchzte innerlich, ein Ende war in Sicht! Die Schmerzen würden also bald vorbei sein.
Nun also pressen, Mund zusammenpressen, nicht mehr laut schreien, damit der Druck ins Becken geht und das Mäuschen rausschiebt. Vierfüssler, Seitenlage, Rückenlage. Vierfüssler war mir dann einfach zu anstrengend, also Seitenlage. Aber dieses ständige Bein hochhalten, wenn die Wehe kommt, war auch sehr nervig. Außerdem meinte die Hebamme, dass ich in der Rückenlage am meisten Kraft hätte. Ja, denn so konnte ich meine Arme ans Bett krallen und Gegendruck erzeugen.
Ich kann gar nicht mehr sagen, was das für ein Schmerz war. Er war nicht so schlimm wie so manche Eröffnungswehe, aber trotzdem intensiv. Ich weiß noch, das ich meckerte: "Mir haben immer alle gesagt, Presswehen sind das Schönste, weil man da endlich mithelfen kann. Aber ich find das hier gar nicht schön."
Ich spürte, wie die Motte sich nach unten schob und sich nach jeder Wehe wieder zurückzog. Das dauerte gefühlt zwei Stunden. Außerdem war ich mittlerweile so geschwächt, dass ich nicht jede Presswehe mitmachen konnte. Einige musste ich vergehen lassen, um Kraft zu tanken.
So kann das doch nichts werden, dachte ich. Aber die Hebamme machte mir Mut. Und gegen 7 Uhr nahm sie dann den Telefonhörer in die Hand, rief irgendwo an und sagte: "Ich brauche jetzt einen Arzt zur Geburt." Es war also fast geschafft. Nun blieb ich also in Rückenlage. Das wollte ich eigentlich nie, ich hab mich immer eher auf dem Geburtshocker gesehen, aber wer weiß, ob ich mich überhaupt noch aufrecht hätte halten können.
Um 8 Uhr war es dann soweit, der Kopf kam. Es brannte höllisch. Ich schaffte es nicht, sie mit einer Wehe komplett herauszupressen. Wir mussten noch eine Wehe abwarten. Das war erstmal komisch, als sie nur so halb heraus war und wir alle auf das nächste Pressen warteten. Ich war wie erstarrt, bloß nicht bewegen. Die nächste Wehe, nochmal ein richtig fieses Brennen und schwupp unsere Motte war geboren. Alter Schwede, geschafft!
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