In so einer Situation wie meiner jetzigen ärgert man sich, dass man erst so spät angefangen loszulegen und den Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. Ich war Mitte 28, als mein Freund und ich beschlossen, dass wir nun "hibbeln". Ich hatte im Job Fuß gefasst und mittlerweile fast 3 Jahre Beurfserfahrung. Mein Freund stand kurz davor, sich seine eigene Firma aufzubauen. Ok, ein Risikofaktor, aber wir konnten auch nicht mehr länger warten... denn schließlich würden meine fruchtbarsten Tage bald gezählt sein, wenn sie es nicht sogar schon waren. Ich wurde relativ schnell schwanger und konnte es kaum fassen, dass es im Prinzip "wie am Schnürchen lief". Naja, meine Ungläubigkeit und mein angeborener Pessimismus haben sich damals schon ins Fäustchen gelacht und stellten sich dann kurze Zeit später mit stolz geschwellter Brust in den Weg und flüsterten mir ins Ohr "Wir haben`s dir doch gesagt.".
Im Dezember 2012 bin ich dann 30 geworden.
Ein schwerer Geburtstag, denn schon immer hatte ich mir für diesen Termin etwas ganz Anderes für mich vorgestellt. Ich wollte Mutter sein und eigentlich auch schon verheiratet, aber das ist ein anderes Thema.
Und nun stand ich da und hatte nichts davon erreicht. Wie armselig. Wie enttäuschend. Tschüß, Selbstwertgefühl. Hallo, Krise.
Ich höre von vielen Seiten, dass das nicht so ernst zu nehmen ist und 30 die neuen 20 sind und ich ja eigentlich noch recht früh dran bin. Mit 30 ist Hopfen und Malz noch nicht verloren, wenn ich 40 wäre, dann sähe das ja ganz anders aus. Ja, ich rede mir auch ein, dass das so ist. Aber vor dem Hintergrund, dass ich mir eigentlich mehr als ein Kind wünsche, fällt das Kartenhaus schnell wieder zusammen. Dieses Warten macht mich mürbe. Ich bin von Natur aus schon ein recht ungeduldiger Mensch und jetzt zieht Monat für Monat ins Land und es ist keine Besserung in Sicht. Der nächste Termin bei der Frauenärztin in drei Wochen, wir nehmen Blut ab, wenn der nächste Zyklus kommt, in zwei Wochen ist der Eisprung, vier Wochen dauert es, bis das Ergebnis da ist und so weiter. Und dabei soll man entspannt sein und nicht vergessen, sein Leben zu leben. Denn die Jahre kommen ja auch nicht zurück. Immer das schöne Sprichwort von John Lennon im Anschlag: "Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei, bist andere Pläne zu machen."
Jaja, aber das ist schon ein Haufen Kopfarbeit, sich anderen Dingen zu widmen, Spaß und Freude in anderen Tätigkeiten zu finden und dieses zentrale Thema einfach mal beiseite zu schieben. Ich kann meine Pläne nicht einfach wegschieben, ich werde für sie kämpfen und alles dafür geben. Doof nur, dass ich nicht weiß, ob ich sie irgendwann loslassen muss. Denn die Zukunft ist ja so herrlich ungewiss. Vielleicht sieht die Welt in ein paar Monaten rosig aus mit kleinen rosigen Wangen und kleinen Händen, die meine umschließen, vielleicht aber liegt da noch die Hölle vor mir und meinem Freund mit noch mehr Fehlgeburten, noch mehr Enttäuschungen und Schmerzen in Herz und Seele. Niemand weiß das, niemand. Wir können uns an niemanden wenden und fragen. Wir müssen mit unserer Situation leben, es bleibt kein Ausweg, keine Alternative, es hilft kein Verkriechen, selbst die eigene Mutter kann nichts für einen tun. Wir können uns auf unsere Zukunft nicht vorbereiten, wir leben Tag für Tag einfach so weiter und wenden Unmengen an Kraft und Disziplin auf, um positiv zu bleiben und uns der dämlichen Fratze der Ungewissheit und seinem Side-Kick, der rennenden Zeit, zu stellen. Ich glaube fast, ich werde dadurch erst so richtig erwachsen.
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