Freitag, 15. Februar 2013

Neid

Ich bin neidisch.
Auf Frauen, die ohne Probleme schwanger werden und ein gesundes Kind zur Welt bringen. Auf Frauen, die die Schwangerschaft sorgenfrei und ohne psychische Belastung erleben dürfen.
Auf Eltern, die ohne Leid, ohne schmerzhafte Erfahrungen, ganz naiv ihr Baby bekommen können.
Auf Frauen mit Kinderwagen, die im Prenzlauer Berg gedankenverloren, mit träumerischem Blick und einem zufriedenen Lächeln an mir vorbeigehen.
Ich bin auch neidisch auf die Mütter, die aussehen wie durch den Wolf gedreht, weil sie eine schlaflose Nacht nach der anderen durchstehen und ohne Pause ein unruhiges und quengeliges Kind versorgen müssen.
Ich bin neidisch und hasse es. Ich will gar nicht neidisch sein. Ich will es ihnen gönnen. Ich will ganz großmütig sein und den Müttern ihr Glück von Herzen zugestehen.
Aber das geht nicht. Es gibt mir einen Stich ins Herz, wenn ich sehe wie eine Mutter ihr kleines Baby ganz warm in einem Tuch vor ihrem Bauch durch die Gegend trägt und das Baby so süß schläft und sich wohlfühlt an der Brust seiner Mama. Ich sehe die Liebe, die gegeben und genommen wird, ich sehe die Fürsorge, ich sehe das Vertrauen. Und ich fühle den Schmerz. Es ist, als wenn jemand einen riesigen Speer in mein Herz rammt.
Am liebsten will ich die Mütter schütteln, ihnen meine Geschichte erzählen und ihnen sagen, wie gut sie es haben. Wie sehr sie sich über das freuen sollten, was sie haben. Und dass ich neidisch auf sie bin. Und hoffe, dass es nicht mehr lang so sein muss.

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