Sonntag, 24. Februar 2013
Eine Brücke wird geschlagen
Bah, dieses Wetter ist schrecklich. Es ist grau, es ist kein Sonnenstrahl und kein grüner Grashalm zu sehen. Die Menschen trommeln ungeduldig auf ihren Tischen und warten sehnsüchtig auf den Frühling. Ich auch. Wenigstens hört man schon ein, zwei Vögelchen, die ankündigen, dass der Frühling AUF JEDEN FALL kommen wird. Wir müssen nur noch etwas warten.
Naja, im Warten bin ich ja mittlerweile Spezialistin.
Kurioserweise bin ich heute Morgen trotz der widrigen Wetterumstände mit einem positiven Gefühl im Herzen aufgewacht. Das hat mich überrascht.
Manchmal wache ich auf, nachdem ich mich ja die ganze Nacht über in eine Traumwelt geflüchtet hatte, und ein depressives, trauriges Gefühl ob meiner Situation macht sich unter meinem Herzen breit. Dann sind die Beine schwer und das Aufstehen ist ein Martyrium.
Aber manchmal gibt es eben auch Momente und Tage, in denen ich bis oben hin mit Vorfreude, Hoffnung und Liebe angefüllt bin. Dann freue ich mich einfach nur auf die Zukunft.
Dann erinnere ich mich an die Traumreise, die ich bei einer Hebamme zur Trauerbewältigung gemacht habe. Dort habe ich unter anderem auch mit meinem zukünftigen Kind gesprochen, das ich gefragt habe, was ich denn tun müsse, damit es auch im echten Leben zu mir kommt. Es bat mich um Geduld, Vertrauen und meinte, wir sind auf dem richtigen Weg. Es würde eine Brücke geschlagen werden.
Die Brücke wurde dann in der Traumreise zu meinem Symbol. Ich habe mich eine Brücke hochgehen sehen, die am Anfang sehr schwer zu überwinden aussah. Im Gehen bemerkte ich dann, dass sie gar nicht so steil ist, dass ich sie leicht bis zum Scheitelpunkt erklimmen kann. Ich sah herunter und sah einen reißenden Fluß unter mir. Der Fluß konnte mir aber nichts anhaben. Ich hatte sicheren Stand auf der Brücke.
Dann sah ich das gegenüberliegende Ufer. Es war erreichbar, es war nicht so fern. Es war möglich, dort hinzugelangen. Das Heruntergehen zum Ufer fiel mir dann leicht, ich begann zu laufen und war schneller als gedacht auf der anderen Seite. Dort angekommen, überrascht und erleichtert, blickte ich zurück und dachte: "Das war ja gar nicht so schlimm."
Ich habe diese Brückenüberquerung als Symbol meiner (bisher) unerschütterlichen Hoffnung angesehen. Ich sehe mich, wie ich das Ziel erreiche. Wie ich auf der anderen Seite stehe, wie sich mein Wunsch, ein eigenes, gesundes Baby in den Armen zu halten, erfüllt. Dieser Wunschtraum über die Brücke und die andere Seite gibt mir Kraft und genau das soll er wahrscheinlich auch. Es ist die Vorstellung über eine positive Zukunft.
Ich war von dieser Traumreise völlig überwältigt und habe meinen innerlichen Trieb erkannt nicht zu verzweifeln oder in Depressionen abzurutschen, sondern einfach weiterzumachen. Das gibt mir Vertrauen in mich selbst und neutralisiert ein wenig die Selbstzweifel, die sich allzu gern in meinen Kopf schleichen.
Und so kommen eben dann auch mitten im grauen Winter Tage wie dieser zustande, in denen Hoffnung in mir aufkeimt. Danke für diese Tage.
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