Sonntag, 3. März 2013

Kinderwunschklinik ich komme.

Jetzt ist es soweit. Ich habe einen Termin in einer Kinderwunschklinik.
Hätte mir das jemand noch vor einem Jahr gesagt, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Ich hatte nie Sorgen mit meinem Zyklus, alles regelmäßig, keine ungewöhnlichen Beschwerden. Keine Schwierigkeiten beim Kinderkriegen in meiner Familie und auch nicht in der meines Freundes.
Und doch müssen wir uns jetzt helfen lassen. Es fällt mir schwer das zuzulassen, mir einzugestehen, dass ich diese Hilfe brauche, dass wir es allein vielleicht nicht schaffen werden. Es ist schwer zu erklären. Man fühlt sich irgendwie so unfähig, so unwürdig und auch irgendwie unnatürlich. Ich will doch gar nichts Besonderes sein. Ich will nicht, dass so ein Aufwand wegen mir betrieben werden muss. Es fühlt sich komisch an.
Diese Welt, die man nur aus Erzählungen über Tanten von Freunden kannte, die nicht schwanger werden konnten und dann Hormone nehmen mussten und total aufgeschwemmt sind, die wahnsinnig viel Geld investiert haben, um wieder und wieder einen Versuch zu starten und dann mit Ende 30 endlich doch das eine Kind bekommen haben oder vielleicht auch nie. Das war immer alles soweit weg, man hat mit ihnen gefühlt, die jeweilige Geschichte aber auch schnell wieder vergessen, weil man sich relativ sicher war, dass einem selbst so etwas nicht passieren wird. Sowas passiert ja auch immer nur den Anderen. Falsch.

Denn nun stecke ich da mittendrin. Wer hätte das gedacht? Ich ganz bestimmt nicht. Ich muss mir eingestehen, dass ich mich da jetzt einreihen kann, dass es für mich mittlerweile auch nur noch die krampfhafte Weise gibt, mich mit dem Wunder des Lebens zu beschäftigen. Leichtigkeit ade. Es gibt ein "Problem" und die Experten müssen ran. Da läuft einem doch ein Schauer über den Rücken. Es wird jetzt ernst. Mit dem Schritt dort einen Termin zu machen, ziehe ich nämlich wirklich in Betracht, dass es ein "Problem" geben kann. Das geht über die standardmäßigen Arztbesuche hinaus, die eine gewisse Normalität suggerieren.
Diesen Schritt muss man erstmal gehen und ich habe jetzt ein paar Wochen dafür gebraucht, den Gedanken reifen zu lassen und mir einzugestehen, dass ich scheinbar mehr benötige als die Standardprozedur. Ich hatte gehofft, dass die ersten Untersuchungen (Schilddrüse, Gerinnung) Aufschluss geben und reichen werden, um den Weg zu einer glücklichen Familie zu bereiten.
Enge Freundinnen haben nicht verstanden, warum ich nicht sofort nach der 3.FG einen Termin gemacht habe in einem Fertility-Center. Ich habe es selbst nicht verstanden, aber jetzt wird es mir klar. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass ich so nicht weiterkomme, dass ich wohl ein ernsthaftes Problem habe und der naive, reine Kinderwunsch in Scherben zerfällt und vielleicht nur durch die kalte und sterile Klinikwelt mit Spritzen, Medis und Hormone gekittet werden kann. Verdammt.

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