Wie reagiert man auf Leute, die einen ganz unbeschwert fragen, wie es aussieht, ob man denn auch Familie gründen will? Das sind so Gespräche, die entstehen aus dem Nichts. Man geht zum Mittag im Büro und findet endlich auch mal die Zeit sich über Privates auszutauschen und sich nicht nur mit einem Brainstorming oder dem Meckern über den Kunden oder den Chef zu beschäftigen. Schwupp, kommt man auf Beziehung und schwupp dann gern mal auf wahlweise Heiraten, den nächsten großen Urlaub oder Kinder. Es gibt Menschen, die grundsätzlich eine Ahnung davon haben, dass das Kinderkriegen nicht bei jedem so fingerschnipp-mäßig funktioniert, weil sie davon schon mal gehört haben oder Schicksale aus ihrem Umfeld kennen oder einfach, weil es sie nicht interessiert. Die fragen dann nichts weiter, sondern man handelt das Thema halt ganz grob ab. Dann hat man Glück. Aber es gibt auch Leute, die sind völlig unbedarft. Wenn ich dann stolz sage, dass ich schon 9 Jahre mit meinem Freund zusammen bin und sie außerdem wissen, dass ich 30 bin (was man mir auf den ersten Blick nicht ansieht), dann geht´s los: "Na, dann könnt ihr ja bald mal Kinder machen! Oder?" Ja, klar, sage ich dann, das kommt auf jeden Fall noch. Bloß nichts anmerken lassen. Ich brodele dann innerlich, weil ich losheulen könnte und schreien: "Was glaubst du, was ich seit 1 1/2 Jahren versuche, verdammt. Und ja, ich war schon sage und schreibe D R E I M A L schwanger und habe mich von dem Traum immer wieder verabschieden müssen. Danke, dass du mich darauf hinweist, dass ich ja mal eine Familie gründen könnte. Ich bin ja nicht blöd."
Das sind Bekannte oder Tanten oder Eltern von Freunden oder Kollegen, die solche Fragen stellen. Sie haben von nichts eine Ahnung. Beneidenswert. Sie haben diesen Themenbereich einfach nicht auf dem Schirm und rennen, ohne das sie es wissen, in ein Fettnäpfchen. Darauf kann ich, entschuldigung, wenn ich das so unterteilen muss, aber, bei Männern nicht böse sein, vor allem bei Männern, die keine Kinder haben. Bei Frauen bin ich grundsätzlich schon angesäuert. Aber es sind doch meist die Männer, die solche Fragen stellen.
Wie reagiert man darauf? Es ist immer wieder eine Herausforderung, weil man innerlich mit seinen Gefühlen kämpft, nach außen hin ganz ruhig auftreten und sich gar nicht anmerken lassen möchte, dass gerade ein wunder Punkt mit einer riesigen Kanonenkugel bombadiert wurde. Ich sage dann meist: "Ja, mal schauen. Wir müssen erstmal ein bißchen Geld verdienen und mit beiden Beinen im Leben stehen." Ich winke dann ab und vertage es bis auf unbestimmte Zeit in die Zukunft. Was soll ich sonst tun? Ich könnte den Leuten niemals stecken, dass wir schon dabei sind. Dann warten sie bei zukünftigen Treffen immer auf meinen dicken Bauch oder achten darauf, ob ich Alkohol trinke.
Dass ich die Leute einfach direkt schocke und sie auf den wahrheitsgemäßen Stand der Dinge bringe, steht auch nicht zur Debatte. Ich stehe manchmal echt kurz davor, ihnen eine Lehre zu erteilen und mit meiner Geschichte rauszuplatzen. Dann lernen sie vielleicht, dass sie solche Fragen Frauen einfach mal grundsätzlich nie stellen sollten, weil man nie weiß, ob eine tragische Geschichte dahintersteckt. Aber nein, ich lasse es, denn sonst wissen sie ja gar nicht, wie sie reagieren sollen, es käme irgendein unbeholfenes Gestammel, weil sie überfordert sind und ich breche womöglich noch in Tränen aus. Nein, danke.
Mir ist in solchen Situationen wichtig, dass die Personen, die mir solche Fragen stellen, nicht im Ansatz ahnen, dass es da ein Problem gibt. Denn dann rückt das Thema in ihren Fokus. Sie machen sich Gedanken und beobachten mich, meine Reaktionen, meine Mimik und Gestik. Sie bekommen das nicht aus ihrem Kopf raus und verbinden mich dann immer damit "dass da irgendwas ist mit dem Thema Kinder, was nicht so gut läuft." Auch nicht gut. Also schnell abhaken, Haltung bewahren und das Gespräch ganz diszipliniert in eine andere Richtung lenken und die Tränen im Innern irgendwie nebenbei trocknen.
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