Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, wo überall Lichter glänzen und alles so gemütlich ist, sitze ich zwischendurch manchmal ganz ruhig und still auf meiner Couch und bin durchflutet von einem wohlig warmen Gefühl. Das ist dann wirklich die Reinheit des Glücks. Ich freue mich auf das Mäuschen, das grad noch in meinem Bauch schwappert, ich sehe ihr Zimmerchen, das mit einer kuschligen Ausstattung auf sie wartet, ich denke an all die Menschen um mich herum, die es gar nicht erwarten können, dass sie auf die Welt kommt, die sich einfach so sehr auf sie freuen. Ich denke an das Glück, dass mein Freund und ich haben, weil wir doch so natürlich schwanger werden konnten, nach den zwei Jahren tiefster Verzweiflung. Ich freue mich über den tollen Vater, den die Motte haben wird und ich bin froh, dass ich mit ihm eine Familie gründen darf. Ich denke an die tolle und ruhige Zeit, die ich gerade verleben darf, in der ich mich einfach nur auf die Vorbereitung für die süße Motte konzentrieren muss. Ich freue mich, dass wir zwar nicht zuviel, aber gerade genügend Geld haben, um unsere kleine Familie durchbringen zu können. Ich freue mich über unsere schöne Wohnung, die groß genug ist für drei. Ich freue mich darüber, dass der Dezember da ist.
Und wie der Mensch nun einmal ist und wie gerade ich nun einmal bin, macht mir das Angst, dass ich mich grad so unendlich glücklich fühle.
Hab ich das wirklich verdient? Kommt da ein dickes Ende nach? Ist das einfach ein trügerisches Gefühl? Welche schlimmen Situationen, Erlebnisse, Schicksalsschläge warten da vielleicht auf mich, die dieses wunderschöne Gefühl ins Gegenteil verkehren? Warten sie in naher Zukunft?
Immer erwarte ich das Schlimmste. Mein Freund und ich wissen ja nun aus Erfahrung, dass man sich nicht schützen kann und wir haben dieses nette Gefühl, dass einem selbst schon nichts Katastrophales passieren wird, sondern immer nur den Anderen, einfach nicht mehr. Vielleicht machen wir uns deswegen einfach auch mehr Sorgen. Schließlich brauche ich nur ein Jahr und zwei Jahre zurückdenken. Vor einem Jahr um diese Zeit hatte ich gerade meine dritte Fehlgeburt hinter mir und steckte in meiner tiefsten Krise. Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal schwanger und hatte meine erste Fehlgeburt, das schmerzhafteste Erlebnis meines bisherigen Lebens, noch vor mir. Die Jahresenden bergen seitdem immer große Emotionen für mich. Werden sie in diesem Jahr positiv sein? Gehe ich gerade über diese Brücke, die ich in meiner Traumreise vor einem Jahr in meinem tiefsten Innern gesehen habe? Wird sie halten?
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